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Im Laufe der Zeit gab es die verschiedensten Darstellungen zum Prinzenraub, der
sich in der Nacht vom 7. zum 8. Juli
1455 im Altenburger Schloss zugetragen hat.
Dabei haben sich offensichtlich auch Wahrheit und Legende verwoben.
Nach
eingehender Quellenforschung lassen sich bestimmte historisch verbürgte
Ereignisse nachvollziehen.
Kunz von Kauffungen, der Initiator des Prinzenraubs, wird als ein verwegener
Ritter dargestellt, der kriegerischen Auseinandersetzungen und Straßenraub nicht
aus dem Wege ging und nach Vorteilen für sich trachtete. Als sich der
Kurfürst
von Sachsen, Friedrich der Sanftmütige (1428 – 1464), 1446 im Krieg gegen seinen
Bruder Wilhelm befand,
kämpfte der Ritter Kunz von Kauffungen auf Seiten des
Kurfürsten Friedrich. In diesem Bruderkriege wurde Kunz bei Gera gefangen
genommen und konnte sich nur mit Hilfe von 4000 "Goldgülden" freikaufen. Er
forderte vom Kurfürsten
den Ersatz des verlorenen Geldes, doch dieser
verweigerte die Zahlung. Fünf Jahre später verlangte er zudem
Schadenersatz für
sein im Kriege schwer beschädigtes thüringisches Gut Milowitz und ebenso für die
auf Schloss Stein
bei Zwickau zeitweise gefangen gehaltenen Kaufleute. Kunz von
Kauffungen fühlte sich ungerecht behandelt
und benachteiligt. So reifte in ihm
der Plan zum Raub der minderjährigen Prinzen Ernst und Albrecht aus dem
Altenburger Schloss, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Und das um so
erbitterter, da er mit der Überprüfung durch ein Schiedsgericht und mit der
kurfürstlichen Klageschrift nicht einverstanden war.
In der Nacht zum 8. Juli 1455, nach dem Abschicken eines Fehdebriefs, nutzte
Ritter Kunz von Kauffungen die Gunst der Stunde: Von einem Hans Schwalbe, der
offenbar als Küchenjunge im Schloss beschäftigt war, hatte er erfahren, dass der
Kurfürst nach Leipzig reisen wolle und sein Kanzler von Haugwitz mit den
zurückgebliebenen Höflingen an einer
Hochzeitsfeier in der Stadt teilzunehmen
gedenke. Außerdem sei die Wache durch Bier leicht einzuschläfern, und auch der
Torwächter wäre schon lange krank. Auf diese Nachricht hatte Kunz von Kauffungen
nur gewartet.
Mit mehr als 30 Berittenen näherte er sich im Schutze der Nacht dem Altenburger
Schloss, nachdem man sich in der Leina, einem großen Waldgebiet unweit
Altenburgs, gesammelt hatte. Kunz erklomm mit den Rittern Wilhelm von Mosen und
Wilhelm von Schönfeld und anderen Gehilfen die steile Felswand und das Gemäuer
des Schlosses mit Hilfe einer
aus Garleder bestehenden Riemenleiter. Diese soll
der Küchenjunge Schwalbe an einem geöffneten Fenster befestigt haben. Man eilte
zum Schlafzimmer der Prinzen, nachdem man zuvor das Schlafzimmer der Mutter,
Margarethe von Österreich, Kurfürstin von Sachsen und Landgräfin von Meißen,
verschließen konnte. Mit den Prinzen verließ man das Schloss wohl
über vorher
angebrachte, zusammensteckbare hölzerne Leitern zum Schlosshof hin und entkam
durch den Schlosspark.
Ritter Kunz von Kauffungen floh mit dem entführten
Prinzen Albrecht in Richtung Böhmen, soll aber kurz vor der Grenze
in einem Wald
in der Nähe des Klosters Grünhain von einem "arm mann" erkannt und mit Hilfe
herbeigerufener ortskundiger Köhler oder Bauern, vielleicht aber auch von
Mönchen, überwältigt worden sein. Wilhelm von Mosen und Wilhelm von Schönfeld
entkamen indessen mit dem Prinzen Ernst in Richtung Franken und versteckten sich
in einer Felshöhle, der heutigen Prinzenhöhle, an der Mulde unweit des Schlosses
Stein bei Hartenstein. Die Entführer gaben ihr Versteck nach einigen Tagen auf,
als ihnen Begnadigung zugesichert worden war. Prinz Ernst wurde unversehrt dem
Amtshauptmann
von Hartenstein übergeben.
Keine Gnade jedoch fand Kunz von
Kauffungen, der nach dem geltenden Recht straffällig geworden war, da sein
Fehdebrief ebenso wie die Fehdebriefe der Ritter Wilhelm von Mosen und Wilhelm
von Schönfeld erst am Tage nach der Entführung
der Prinzen in die Hände des
Kurfürsten gelangt sein sollen. Kunz von Kauffungen wurde nach der Überführung
nach Freiberg in einem kurzen Prozess zum Tode verurteilt und am 14. Juli 1455
auf dem Marktplatz öffentlich mit dem Schwert wegen Landfriedensbruch
hingerichtet. Auch einige Helfer fanden den Tod. In das Reich der Legende jedoch
ist zu verweisen, dass der Küchenjunge Schwalbe, der offenbar früher ein
Schreiber des Ritters war, im Schloss
zu Altenburg lebendig eingemauert worden
sein soll.
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